
Dass Barbary Gowdy in ihrer Kindheit begeistert Felix Saltens Bambi gelesen hat oder - in Anbetracht der Tatsache, dass sie in Amerika aufwuchs, auch durchaus wahrscheinlich - von dem gleichnamigen Disney-Film so beeindruckt war, dass sie das Thema Jahre später nochmals aufgreifen musste, steht wahrscheinlich außer Zweifel. Und auch das Dschungelbuch hatte bei ihr als Kind sicher seinen Ehrenplatz auf dem Bücherregal.
Wie sie den Stoff fast 50 Jahre später verarbeitet hat, verdient in meinen Augen allerdings größte Hochachtung. Nicht nur die unendlich genau recherchierten Beschreibungen, sondern auch die Einbettung der Geschichte - verwaistes Kuhkalb irrt auf der Suche nach besagtem Knochen durch die Steppe - in ein mythologisches Ostafrika mit alttestamentarischen Zügen, machten bereits das Buch sehr lesenswert.
Im Hörbuch kommt noch die Stimme der großartigen Senta Berger dazu, die ihre langjährige Erfahrung als Rezitatorin einbringt und sich mit unglaublicher Empathie in die Handlung und in die einzelnen Charaktere einfühlt.
Kurzum: Die sehr spannende und oft unendlich traurige Geschichte, die ausschließlich aus der Sicht von Elefanten erzählt wird, ist keine leichte Urlaubslektüre, sondern eine literarische Delikatesse für Leser/innen jeden Alters.
Mich persönlich hat der Text sehr nachdenklich gestimmt ... Wie hätte sich unsere Gesellschaft entwickelt, wenn das Matriarchat beibehalten worden und Gott eine "Sie" wäre?
Simone de Beauvoir lässt grüßen ...